Paketkarten: UPU-Standardporto

1. Phase der Ruhe 1877 bis 1919

Der Paketverkehr zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz wurde bereits 1877 aufgenommen. Man einigte sich auf ein Porto von 1 Goldfranken für Pakete bis 5 kg. Diese Vereinbarung bildete gewissermaßen das Modell für die spätere UPU-Regelung. Der Wechselkurs der Mark zum Goldfranken von 80 Pf zu 1 Fr. blieb bis zum 30. September 1919 konstant, also 42 Jahre lang! Von der Einführung der Reichsabgabe am 1. August 1916 waren die Auslandspakete nicht betroffen.

Paket von 1880 mit 3 kg von Pforzheim nach Thun

Paket mit 3 kg von Pforzheim nach Thun 1880

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3 Pakete à 5 kg von München nach Olten 1908

Paket mit 4,8 kg von Kalthoff nach Basel 1918

Paket mit 4,8 kg von Kalthoff nach Basel 1918. Die Ecke der 5 Pf Germania wurde offenbar absichtlich abgerissen.

Paket mit ?? kg von Nürnberg nach Oerlikon vom September 1919

Paket mit 4,5 kg von Nürnberg nach Oerlikon vom September 1919

Durch die lange Gültigkeit des Tarifes ergeben sich schier unendliche Möglichkeiten, die 80 Pf darzustellen. Berücksichtigt man auch Mischfrankaturen zwischen den einzelnen Ausgaben, wird diese Aufgabe zum Lebenswerk, das mit großer Sicherheit unvollständig abgebrochen werden muss.

2. Inflation 1919 bis 1923

Während der Inflationszeit wurden die Portosätze in immer kürzeren Zeitabständen erhöht. Allerdings geschah dies nicht willkürlich, sondern die Erhöhungen waren an den Wechselkurs zum Goldfranken gekoppelt, da die Reichspost ja an den Weltpostvertrag gebunden war. In der Hochinflation wurde das Porto deutlich öfter angepasst als bei der Briefpost, was die Zahl der existierenden Portostufen vervielfacht.

Ab Mitte 1923 ging man mehr und mehr zur Barfrankatur über, so daß Auslandspaketkarten mit Marken nach den Queroffset-Ausgaben sehr selten sind.

Paket mit 3 kg von Granzach nach Basel am 7.1.1920. Porto: 1,60 M

Paket mit 3 kg von Grenzach nach Basel am 7.1.1920. Porto: 1,60 M

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Paket mit 1,5 kg von Stuttgart nach Romanshorm vom 24.4.1920

Paket mit 1,5 kg von Stuttgart nach Romanshorm vom 24.4.1920. Porto: 12 M

Das Porto hat sich also in einem Vierteljahr mehr als versechsfacht.

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Paket mit 5 kg von Remscheid nach St. Gallen am 18.12.1920. Porto: 11,50 M

Paket mit 5 kg von Remscheid nach St. Gallen am 18.12.1920. Porto: 11,50 M

Das Porto konnte zwischendurch auch wieder fallen.

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Paket mit 5 kg von Hannover nach Zürich vom 10.7.1923. Porto: 55800 M

Paket mit 5 kg von Hannover nach Zürich vom 10.7.1923. Porto: 55800 M

3. Ab 1924 kehrt wieder Ruhe ein

Mit der Einführung der Rentenmark und später der Reichsmark wurde das Porto für Pakete bis 5 kg in Nachbarländer auf 1,55 Mark festgelegt. Dieser Wert blieb bis zum 2. Weltkrieg konstant.

Paket mit 3,5 kg von der Schweizer Botschaft in Berlin an das Außenministerium in Bern 1927

Paket mit 3,5 kg von der Schweizer Botschaft in Berlin an das Außenministerium in Bern 1927

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Dieter Weinbuch 26/02/2010 at 10:50

Hallo Herr Klimek, nach meiner Gebühreninformation betrug in diesem Zeitraum für die Schweiz die Gebühr für ein Paket bis 1 kg Gewicht (?) 1,05 Goldfranken. Können Sie mir sagen was für die höheren Gewichtstufen verlangt wurde ? Zusätzlich würde mich interessieren wo diese Vereinfachungsgebühr nachvollzogen werden kann. Zusätzlich könnte ich eine Umrechnungstabelle für die Goldfrankenwährung vor 1922 gebrauchen, haben Sie soetwas ?

Mit besten Grüßen
Dieter Weinbuch

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